Braucht deine Firma einen Videopodcast? Eine ehrliche Antwort
Ich verdiene Geld mit Videopodcasts, und trotzdem beginnt dieser Artikel mit einer Warnung. Der Podcast-Hype der letzten Jahre hat einen Friedhof voller Formate hinterlassen, die nach vier Folgen gestorben sind, und ich kenne die Falle aus eigener Erfahrung. Hier steht, wann sich ein Videopodcast wirklich lohnt, was er kostet, und woran du merkst, dass du besser die Finger davon lässt.
Die ehrliche Vorbemerkung: Auch meiner ist eingeschlafen
In den letzten Jahren gab es einen richtigen Podcast-Hype, und manchmal schien es, als gäbe es mehr Leute, die einen Podcast machen, als Leute, die tatsächlich zuhören. Ich sehe Videopodcasts deshalb kritisch, obwohl ich sie selbst anbiete und produziere. Oder gerade deswegen.
Das Anschauungsbeispiel bin ich selbst. Meinen eigenen Podcast Content Talk habe ich zu Beginn meiner Selbstständigkeit gestartet und über zwei bis drei Jahre regelmässig produziert, rund zwanzig Folgen, inklusive einer Medienpartnerschaft mit dem Newsportal nau.ch, das die Folgen redaktionell begleitete. Eine Folge kostete mich gut und gerne drei Arbeitstage. Als immer mehr Kundenmandate dazukamen, fehlten mir intern die Ressourcen, und das Format schlief ein. Der Schuhmacher trägt bekanntlich die schlechtesten Schuhe, ich bin selbst in die Falle getappt, vor der ich hier warne. Genau darum weiss ich, worauf es ankommt, damit es dir nicht gleich geht.
Manchmal scheint es, als gäbe es mehr Leute, die einen Podcast machen, als Leute, die zuhören.

Ein Videopodcast ist keine Sendung. Er ist ein Rohstofflager.
Der wichtigste Denkfehler zuerst: Ein Videopodcast ist nicht «auf Spotify stellen und hoffen, dass Leute zuhören». Ein Videopodcast ist eine Massnahme, aus der viele Massnahmen entstehen. Du nimmst einmal ein einstündiges Gespräch auf, und daraus wird:
- Die Podcast-Folge auf Spotify und den Audio-Plattformen.
- Das YouTube-Video, das nebenbei auf Google gefunden wird und deiner Sichtbarkeit hilft.
- Reels und Shorts aus den stärksten Momenten, für Instagram, TikTok und YouTube.
- Ein Blogbeitrag: Per KI-Transkript wird aus dem Gespräch Textmaterial. Spricht eine Metallbaufirma eine Stunde mit einem Experten über neue Technologien, steckt darin ein fundierter Fachartikel für die Website.
- Grafiken und Zitate aus demselben Material, für weitere Posts.
- Wirkung nach innen: Wer monatlich Mitarbeitende ins Gespräch holt, betreibt nebenbei Employer Branding gegen innen.
Für wen es sich lohnt, und für wen nicht
Aus einer Stunde Gespräch entstehen so fünf, sechs Massnahmen. Wer den Videopodcast als eine Massnahme von vielen versteht statt als Hauptziel, für den kann sich die Rechnung lohnen. Wer nur auf Hörerzahlen schaut, wird enttäuscht.
Zur Ehrlichkeit gehört auch das: Es gibt Online-Tools, die per KI automatisch die besten Sequenzen aus einem Video schneiden, nach Viralität ordnen und direkt publizieren. Ich habe sie selbst ausprobiert. Sie sind meist auf Englisch ausgelegt und tun sich mit Schweizerdeutsch schwer, man sieht den KI-Schnitt an unsauberen Übergängen und abgehackten Enden. Als Input brauchbar, die Handarbeit ersetzen sie nicht.
Ein Videopodcast ist etwas für Firmen mit langem Atem, die etwas Langfristiges aufbauen wollen und das Budget dafür haben. Nicht jeder Firma empfehle ich einen Podcast, und das sage ich auch im Erstgespräch.
Wovon ich klar abrate: einen Podcast starten und erwarten, dass in ein paar Wochen oder Monaten Tausende zuhören. Gerade im Business-Umfeld ist der Markt gesättigt. Rein organisch einen Podcast aufzubauen, den die halbe Schweiz kennt, ist utopisch, ausser du machst etwas wirklich Aussergewöhnliches, das es so noch nie gab. Realistisch ist ein anderes Ziel: die richtige, klar umrissene Zielgruppe regelmässig erreichen und aus jeder Folge maximal viel herausholen.
Das Dorfgespräch: klein zielen, gross wirken
Wie das aussieht, zeigt Grindelwald. Als wir 2023 starteten, gab es zwar viele Podcasts, aber Videopodcasts mit durchdachter Weiterverwertung waren noch kaum verbreitet, und Grindelwald wurde die erste Tourismusregion der Schweiz mit einem eigenen Videopodcast. Das Ziel war bewusst klein: von Grindelwald für Grindelwald. Die Zielgruppe sind die Einwohnerinnen und Einwohner, die Zweitheimischen mit einer Ferienwohnung im Dorf, und beiläufig die Tourismus-Fachleute der Branche.
Das Resultat nach drei Jahren: gegen dreissig Folgen, rund zehn pro Jahr, mit konstant guten Zahlen und einer Reichweite, die einen Grossteil der Dorfbevölkerung erfasst. Das «Dorfgespräch» ist PR nach aussen und nach innen zugleich, ein Sprachrohr und ein Dialog mit der Bevölkerung, aus dem immer wieder spannende Erkenntnisse entstehen. Und es ist tatsächlich zum Dorfgespräch geworden: Man fragt sich im Dorf, wer diesen Monat zu Gast ist.
Bei den meisten meiner Projekte stehe ich hinter der Kamera oder arbeite in der Strategie. In Grindelwald moderiere ich selbst, und inzwischen werde ich dort regelmässig erkannt, mal am Gesicht, mal an der Stimme. Das zeigt, was ein solches Format auslöst, wenn die Zielgruppe stimmt: Reichweite ist nicht, wie viele dich sehen, sondern ob dich die Richtigen sehen.
So läuft ein Produktionstag
Ich reise mit dem mobilen Podcast-Studio zum Kunden, in rund zwei Stunden ist alles aufgebaut. Eine Folge dauert zwanzig Minuten bis eine Stunde. Bei zwei Gästen filmen meist drei Kameras: eine Totale und je eine auf das Gesicht der Gesprächspartner. Wer effizient sein will, produziert am selben Tag gleich mehrere Folgen, das ist problemlos möglich.
Danach braucht es Zeit: Daten verarbeiten, sauber schneiden, Bildbearbeitung, die Highlights für die Reels heraussuchen. Rechne mit sieben bis vierzehn Tagen, bis eine Folge samt Ablegern fertig ist.

Moderation: die unterschätzte Stellschraube
Wer moderiert, ist von Kunde zu Kunde verschieden: jemand aus dem Unternehmen, der sich das zutraut und Lust darauf hat, eine extern gesuchte Person, oder ich springe selbst ein. Wichtiger als die Frage, wer moderiert, ist die Vorbereitung. Vor jeder Folge bespreche ich mit dem Kunden, warum dieser Gast eingeladen ist, worum es geht und welche Themenfelder drinliegen. Danach führe ich meist ein Vorgespräch mit dem Gast selbst.
Wer noch nie vor Kamera oder Mikrofon stand, dem nehme ich dort die Angst, mit dem schönsten Argument des Formats: Nichts ist live. Man kann jederzeit unterbrechen und neu ansetzen. Gebraucht haben wir das noch nie, denn sobald das Gespräch läuft, läuft es, und Unterbrechen macht es nur gekünstelt. Aber die Möglichkeit zu haben, entspannt jeden Gast. Ich selbst arbeite statt mit starrem Fragenkatalog mit einer Mindmap: Ich kann in ein Thema hineinzoomen, wieder herauszoomen und zum nächsten springen, ohne den Faden zu verlieren.

Audio oder Video?
Meine Empfehlung ist fast immer Video, denn nur dann funktioniert das Rohstofflager: Reels, YouTube, Zitatgrafiken, alles setzt Bild voraus. Mit Video schlägst du mehrere Fliegen mit einer Klappe. Ein reiner Audio-Podcast ist deutlich günstiger und kann die richtige Wahl sein, wenn das Format ausschliesslich intern eingesetzt wird und der Kunde es so wünscht.
Was kostet ein Videopodcast?
Eine Videopodcast-Produktion vor Ort startet bei CHF 4'000 bis 7'000 pro Folge, je nach Anzahl Gäste mit zwei bis vier Kameras plus professionellem Audio. Die Stellschrauben: Wer moderiert, wie viele Kameras, wie viele Reels pro Folge entstehen und wo gedreht wird. Alle Richtwerte stehen offen in meinem Artikel Was kostet Videoproduktion in Bern?.
Eine Option für Vielproduzierende: ein fix installiertes Podcast-Studio beim Kunden vor Ort. Das haben wir bereits umgesetzt. Es kostet einmal Investition, danach wird jede Folge günstiger, weil das Auf- und Abbauen wegfällt. Und in jedem Fall gilt: Ein Podcast lohnt sich erst ab einer Frequenz von mindestens einer Folge pro Monat, darunter entsteht keine Bindung.

Was eine einzige Folge auslösen kann
Ein Satz aus einer Folge, drei nationale Medien.
Für meinen Content Talk sass mir die SRF-Moderationslegende Kurt Aeschbacher gegenüber. In einem über halbstündigen Gespräch über die Veränderung der Medienlandschaft fiel eine bewusst provokative Aussage über Influencerinnen und Influencer. Die Folge selbst hörten vielleicht ein paar hundert Leute. Dann schnitten wir den Moment als Reel für TikTok und Instagram.
Das Reel holte enorm viele Aufrufe, ein Blick-Journalist wurde darauf aufmerksam, und zwei Tage später stand die Geschichte gross im Blick. Danach griffen blue News und die Schweizer Illustrierte das Gespräch auf.
- Der Blick verwendete direkt das Reel aus unserer Aufnahme und bezeichnete mich als Produzent und Moderator des Podcasts. Redaktionen brauchen Material, das sofort sendefähig ist.
- Ohne Video wäre derselbe Satz eine Audiospur geblieben, die niemand weiterverwerten kann, und die Geschichte hätte nie stattgefunden.
Nicht die Folge hat das ausgelöst, sondern die Verwertung. Der Videopodcast ist das Lager, die Wirkung entsteht in den Ablegern.
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Häufige Fragen
Was kostet ein Videopodcast pro Folge?
Eine Produktion vor Ort startet bei CHF 4'000 bis 7'000 pro Folge, je nach Anzahl Gäste mit zwei bis vier Kameras plus professionellem Audio. Preistreiber sind Moderation, Kameraanzahl, die Anzahl Reels pro Folge und die Location. Ein reiner Audio-Podcast ist deutlich günstiger. Für Vielproduzierende lohnt sich ein fix installiertes Studio vor Ort.
Wie lange dauert es, bis eine Folge fertig ist?
Der Aufbau des mobilen Studios dauert rund zwei Stunden, die Aufnahme zwanzig Minuten bis eine Stunde. Bis die Folge geschnitten, bildbearbeitet und mit Reels aufbereitet ist, vergehen sieben bis vierzehn Tage. Mehrere Folgen am selben Produktionstag sind möglich und senken die Kosten pro Folge.
Braucht jede Firma einen Podcast?
Nein. Ein Videopodcast lohnt sich nur mit langem Atem, Budget und dem Verständnis als Content-Ökosystem, aus dem Reels, YouTube-Videos und Blogbeiträge entstehen. Wer in wenigen Monaten Tausende Hörerinnen und Hörer erwartet, wird im gesättigten Markt enttäuscht.
Videopodcast oder reiner Audio-Podcast?
Fast immer Video, denn erst das Bildmaterial ermöglicht Reels, YouTube und Zitatgrafiken aus derselben Aufnahme. Reines Audio ist günstiger und dann sinnvoll, wenn der Podcast ausschliesslich intern eingesetzt wird.
Wie viele Hörerinnen und Hörer braucht ein Firmenpodcast?
Weniger, als man denkt, wenn es die richtigen sind. Das Dorfgespräch von Grindelwald zielt bewusst nur auf die Dorfbevölkerung, Zweitheimische und Tourismus-Fachleute und erreicht damit seit drei Jahren konstant seine Zielgruppe. Reichweite ist nicht, wie viele zuhören, sondern ob die Richtigen zuhören.
- Blick, 30.01.2023: «Geringe Bildung und Frechheit»: Kurt Aeschbacher schiesst gegen Influencer (Bericht über die Content-Talk-Folge), blick.ch
- blue News, 02.02.2023: Kurt Aeschbacher: «Um Influencer zu sein, braucht es eine relativ geringe Bildung», bluewin.ch
- Schweizer Illustrierte, 01.02.2023: TV-Legende Kurt Aeschbacher über Influencer und Social Media, schweizer-illustrierte.ch
- nau.ch, 2023 bis 2025: redaktionelle Begleitartikel zu Content-Talk-Folgen im Rahmen der Medienpartnerschaft, u. a. «Warum deine Social Media Posts niemand sieht» (14.07.2025), nau.ch